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Die Reinigung von Naturstein ist ein komplexes Thema. So sind nahezu an jedem zu reinigenden Objekt andere Voraussetzungen und Randbedingungen vorhanden. Das ist wohl auch ein Grund dafür, daß es wohl nie "das Rezept" für eine erfolgreiche und schonende Reinigung geben wird. Gerade da beginnt natürlich vielfach auch die Not. Welches Verfahren mit welchen Reinigungsmitteln ist sinnvoll und vertretbar? Die Hersteller diverser Reinigungschemikalien sind bei der Entscheidungsfindung meist wenig hilfreich. Sind sie doch überwiegend auf den Vertrieb spezialisiert und preisen mit oft nicht nachzuweisenden Versprechungen ihre Produkte an. Dabei ist naturgemäß auch das, was man sich unter einer Reinigung vorstellt einer recht breiten Streuung unterlegen. Das so manche Stelle "sauber" geworden ist, kann nicht abgestritten werden. Wenn es aber darum geht zu ermitteln welche Schäden oder Spätfolgen vielleicht zu erwarten sind, sieht das Ganze schon anders aus. So kann zwar fast jeder auf ein vermeintlich geglücktes Referenzobjekt verweisen, doch meist gibt es mehr abschreckende Beispiele. Natürlich wird das fast immer auf Anwendungsfehler zurückgeführt. Die Frage, wie z.B. ein Arbeiter an einer Baustelle die erforderliche Konzentration eines Neutralisierungsmittels erahnen soll, bleibt dabei aber unbeantwortet. Da stellt sich die berechtigte Frage, ob solche Verfahren überhaupt praxistauglich sind. Ein paar Anregungen zum Thema Reinigung ist Zweck dieses Beitrags.


"Von zahlreichen Denkmalpflegern wird die Meinung vertreten, Schmutzkrusten könnten eine Schutzschicht darstellen. Dieser Auffassung muß nachdrücklich widersprochen werden. Eine Schmutzkruste ist aufgrund ihrer großen inneren Oberfläche ein hervorragender Absorber für Feuchtigkeit und alle gasförmigen und partikulären Schadstoffe. Da in der Kruste keine Stoffe vorhanden sind, welche die eingetragenen Schadgase und Säuren neutralisieren könnten, reagieren diese zwangsläufig an der Unterseite der Kruste mit der Steinsubstanz und zerstören die originale Oberfläche. Da Schmutzkrusten Schadstoffe in größerem Umfang absorbieren als reine Steinoberflächen, beschleunigen sie die Zerstörung, selbst wenn diese zunächst unsichtbar unter der Kruste verborgen bleibt."
aus: Leitfaden Steinkonservierung von Prof. Dr. Rolf Snethlage, © Fraunhofer IRB Verlag, 1997


Allein dieses Zitat löst, wie von mir festgestellt, die unterschiedlichsten Reaktionen aus. So sehen sich die "alles muß wieder hell werden" Fanatiker ebenso gestärkt, wie die Reinigungsmittelhersteller. So ein einfacher Blick auf die Situation soll uns aber nicht genügen. Ästhetische, oder auch der aktuellen Mode -der verstärkt geforderten Steinsichtigkeit- unterworfene Aspekte, können nicht allein als Grund für eine Reinigung angesehen werden. Im Vordergrund sollte immer das entsprechende Objekt mit seiner Erhaltungswürdigkeit stehen. So ist auch die so beliebte Steinsichtigkeit, die mit teilweise recht brachialen Mitteln erreicht wird, genau zu hinterfragen. Logisch sieht ein Steinmetz lieber Stein als Farbe. Dennoch muß er sich fragen lassen, ob dieser Eigennutz auch dem Charakter des zu bearbeitenden Objektes entspricht. Farbfassungen auf Stein dienten ja nicht nur dem Schutz der Oberfläche, sondern sollten in vielen Fällen, auch das profane Material veredeln und aufwerten. Das wir heute verstärkt in der materialtypischen Ausdrucksweise der Steine unsere Freude finden, darf uns nicht über historische Gegebenheiten hinwegsehen lassen.


Eine sehr wichtige und weitreichende Entscheidung, ist die der Festlegung des Reinigungsverfahrens. So ist es doch absurd, eine durch "sauren Regen" geschädigte Fassadenfläche mit einem säurehaltigen Produkt reinigen zu wollen (oder gibt es vielleicht gute und böse Säuren?). Der als Reaktion darauf bedenkenlose Einsatz alkalischer Reinigungsmittel, mit deren oft beschworenen Harmlosigkeit, bedeutet ebenso nichts Gutes, da beim Einbringen alkalischer Reiniger immer bauschädliche Salze gebildet werden, egal ob Neutralisiert wird, oder nicht. Behauptungen, nach denen bei bestimmten Reinigern, nur völlig unschädliche Salze?? entstehen, entbehren jeglicher Beweiskraft. Oftmals sind bei erst kurz auf dem Markt befindlichen Produkten nicht einmal Untersuchungen über die Verträglichkeit angestellt worden (jedenfalls können bei Nachfrage keine benannt werden), von Langzeittests an verschiedenen Gesteinen ganz zu schweigen. Das sollte uns zur der Erkenntnis führen, Säuren und Laugen bei der Steinreinigung möglichst nicht einzusetzen.


Trockene Reinigungsverfahren sind naturgemäß ihren "feuchten Geschwistern" vorzuziehen. Auch wenn wegen der erheblichen Staub- und teilweise auch Lärmbelastung und den damit einhergehenden aufwendigen Nebenmaßnahmen, gern auf Naßreinigung gedrungen wird. Gerade in solchen Fällen wird oft nicht einmal abgewartet, bis der zu reinigende Bereich wieder abgetrocknet ist, nein es wird auch schon fleißig mit festigenden oder farbgebenden Substanzen weitergearbeitet. (Hier soll auch noch einmal auf die nicht ganz unkritische Verwendung von Silikatfarben hingewiesen werden, denen ein gesonderter Artikel gewidmet wird.) Wenn eine Naßreinigung auch noch ohne vorherige Untersuchungen (z.B. eventuelle Salzbelastungen) durchgeführt wird, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Schadsalze immer tiefer eingewaschen werden und ihre Wirkung immer größer wird. Die salzlösende Wirkung und die damit bei entsprechender Menge steigende Gefahr von Schäden, muß also bei der Verwendung von Wasser immer kritisch betrachtet werden. So ist auf jeden Fall die Einwirkdauer auf ein Mindestmaß zu reduzieren und, was sicher in der Praxis noch weniger Beachtung findet, muß eine völlige Austrocknung gewährleistet sein.


Bei allen Reinigungsverfahren, ist wegen der an jedem Objekt anderen Voraussetzungen, das Anlegen von Probeflächen nicht zu umgehen. Dabei sollte aber auch die entsprechende Sorgfalt angewendet werden. Vor allem sollte hierbei der Zeitfaktor Berücksichtigung finden. Eine 2 Tage vor Baubeginn angelegte Probefläche kann zwar hinsichtlich der Reinigungswirkung überprüft werden, aber eine Einschätzung der eventuellen "Nebenwirkungen" kann so nicht erfolgen. Gerade das, ist aber für einen dauerhaften Erfolg der Maßnahme wichtig. Es muß also deutlich werden, daß die Reinigung eine sehr wichtige, für den weiteren Verlauf einer Maßnahme oft entscheidende Bedeutung hat. Mögliche Folgeschäden und möglicher Substanzverlust durch die Reinigung selbst, sind ebenso wie Wirtschaftlichkeit und Durchführbarkeit zu beachten und genau abzuwägen. Technische Möglichkeiten, wie Laser- oder Ultraschallreinigung sind ebenfalls mit in die Überlegungen einzubeziehen. Auf keinen Fall sollte jedoch, einfach drauf los gereinigt werden.

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